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Buchtipps - Lyrik

"Wenn wir genau hinhörten, könnten wir hören, wie die Türen der Geschichte zufallen / oder die Türen des Schicksals." Die erste deutsche Gesamtausgabe von Roberto Bolaños Gedichten. Für Bolaño, den illusionslosesten und letzten Romantiker des 20. Jahrhunderts, war Dichtung seine wahre Berufung und die eigentliche Quelle aller Literatur. Seine Gedichte sind visionär und surreal, aberwitzig und melancholisch. Sie sind ein Loblied und zugleich ein Abgesang auf jene Generation der "romantischen Hunde", die die Welt verändern wollte und unter die Räder kam.

Und das, was ich gerade geschrieben habe, überholt sich doch gleich wieder selbst. Na ja, wenn du mich vielleicht etwas früher gefragt hättest. Und es gibt vielleicht auch ein politisches Moment in diesen Texten, das Anderssprechen, als eine Art Befreiung vom Zugriff, von lähmenden Sinntiraden. Vielleicht. Und nichts gegen Herkömmliches. Nichts gegen Tatzen. Mir gefällt einfach nur das Zulassen. Aber jetzt komme ich ins Schwatzen, reime auch schon. Reime mir was zusammen. Über die Landschaften östlich von Isfahan und im Berblinger Weitmoos hätte ich vielleicht noch etwas sagen können.

»Diese so selbstsicher übersprudelnden, unverkrampft sprachverspielten, jauchzend gefühligen Gesänge machen ihrem Titel alle Ehre.« Florian Kessler, Lyrikempfehlung 2016 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

»Mit dem fulminanten Lyrik-Debüt der 1980 in Mannheim geborenen Carolin Callies artikuliert sich eine neue poetische Stimme, die eine sehr sinnliche, burleske, auch mit Obszönitäten kokettierende Poesie des Körpers entwickelt hat.« Michael Braun, Neue Zürcher Zeitung

Mit Anja Kampmann ist eine neue Lyrikerin zu entdecken.

»Sie ist mehr als modern; sie ist praktisch Science-Fiction«, schreibt der Guardian über die 30-jährige Rapperin und Schriftstellerin Kate Tempest. Zu ihren Einflüssen zählen James Joyce und Wu-Tang Clan, Public Enemy und Virginia Woolf. Sie beherrscht den innigen Volksliedton ebenso wie Londons Straßenslang, wandelt virtuos zwischen lyrischer Tradition und Hip-Hop. Ihre Gedichte bemächtigen sich auf radikal heutige, politische Weise des antiken Mythos von Teiresias, einer zweigeschlechtlichen Figur, von den Göttern geblendet und prophetisch begabt.

Lesen Sie die Streitschrift "Risiko und Idiotie"; nach der Lektüre werden Sie klüger sein, Sie werden schöner sein, sich ausgefallener kleiden, besser schlafen, interessanter träumen und Türen sehen, wo vorher keine waren.

"Ich glaube, dass das Leben schön ist, obwohl es mich ins Gefängnis gebracht hat, und trotz aller Strapazen und Qualen. Daher rate ich Euch, das Leben zu lieben." Burj Al-Arab-Gefängnis, 21. April 2015

Gedichte des in Damaskus aufgewachsenen und seit 1971 in Deutschland lebenden Autors Suleman Taufiq. Mit Bildern des Aachener Künstlers Roland Mertens.