Aktuell

 

Literatur im Club, Dialoge der Kulturen:

Club Voltaire, Haaggasse 26 b, Tübingen
Mittwoch, 1.10.2014, 20.00 Uhr
Buchvorstellung

Hier wohnt die Stille
Lesung mit Suleman Taufiq

Suleman Taufiq’s Erzählungen und Gedichten  sind eine Art
Liebeserklärung an die Fremde. Humorvoll wird erzählt, wie die
Protagonisten dieser Fremde allmählich heimische Gefühle entwickeln.
Taufiq nutzt Literatur für das, was sie ursprünglich will: Das Andere
kennenlernen, dessen Fremdheit und Faszination mit Lust und Witz
erfahren. Seine Lesung ist ein Brückenschlag zwischen zwei Kulturen –
die sich so fremd nicht sein können. Er nimmt seine Zuhörer mit in die
wunderbare Welt der Fremde, eine Welt mit all ihrer Vergänglichkeit,
Maßlosigkeit, Wandelbarkeit, Unwägbarkeit, auf eine Reise zwischen
Orten, Sprachen und Zeiten.

“Solch eine Reise verwandelt die Welt in eine Fremde, die so
ergiebig ist wie eine Goldmine.”

Suleman Taufiq wurde 1953 in Syrien geboren und wuchs in Damaskus auf.
1971 zog er nach Deutschland, wo er Philosophie und Komparatistik
studierte. 1983 erhielt er den Literaturpreis der Stadt
Aachen, in der er heute noch lebt. Neben Erzählungen und Essays
veröffentlichte er vorwiegend Gedichte und Geschichten für Kinder und
übersetzte viele arabische Werke ins Deutsche sowie zahlreiche deutsche
Dichter ins Arabische. Bekannt ist er auch als Autor für den WDR.

Literatur im Club, Dialoge der Kulturen ist eine Veranstaltungsreihe von
Club Voltaire, Verlag Hans Schiler und Buchhandlung Quichotte. Programme
usf. gibt es stets in der Buchhandlung.

 

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Der Kalender für 2013:

“Büchermenschen in Baden und Württemberg 2013″

Klöpfer & Meyer Verlag, Tübingen.

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Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt,
so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat –: dann ist die fünfte Jahreszeit.
Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.
Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen … kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben – es ruht.
So vier, so acht Tage –
Und dann geht etwas vor.
Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt … , na … na … , und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher … aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.
Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.
Kurt Tucholsky

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